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Frauen der Resistenza
Italienische Frauen in der Resistenza
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Absage an das faschistische ModellItalienische Frauen in der ResistenzaBis vor kurzem hat man nur von einem "Beitrag" der italienischen Frauen zum Widerstandskampf gesprochen. Die historische Frauenforschung geht heute davon aus, dass ohne die aktive Teilnahme der Frauen der Widerstand in Italien nicht möglich gewesen wäre. Denkmal für die Frauen im Widerstand in Carrara (links) und Venedig(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)
Solche Erklärungen für das Engagement von Frauen in der Resistenza sind insofern interessant, als sie dem Wunsch entspringen, Frauen nicht als Subjekte der Geschichte, sondern als Personen zu sehen, die nach immer gleichen Mustern agieren - Mütterlichkeit, Fürsorge, Verantwortung für das Wohl der Familie, in diesem Fall der erweiterten Familie der Partisanen. Dass diese Sicht einem psychologischen Bedürfnis entspricht - mindestens das Verhalten der Frauen soll stabil sein, damit man darauf bauen kann -, erklärt, warum die Figur der Partisanin in der Nachkriegszeit so dargestellt wurde. Diese Rezeption ist besonders in der Literatur zu finden. Aus den Aussagen der Frauen entsteht ein differenzierteres Bild der Partisaninnen. Sehr oft kommen sie aus angestautem Ärger über die Ungerechtigkeit des Regimes zum Widerstand. Vor allem soziale Unterschiede werden schon von kleinen Mädchen als schmerzhaft empfunden und nicht mehr vergessen. Aber auch die patriarchalen Gesetze des Faschismus, der Ausschluss der Frauen aus jeglicher politischer Verantwortung und ihre Unterordnung dem Mann gegenüber im Zivil- und Strafrecht sind Grund genug für ihre oppositionelle Haltung, die schon in den Vorkriegsjahren in Erscheinung tritt. Auffallend ist zum Beispiel, dass ein Geburtenrückgang trotz Propaganda des Regimes verstärkt zu bemerken ist. Ausgerechnet die Frauen, die vom Land in die Stadt ziehen, was die Regierung mit verschiedenen autoritären Maßnahmen zu verhindern sucht, beschleunigen diese Entwicklung. Sollte nicht die bäuerliche, kinderreiche "mamma" als typisch italienisches Frauenbild wieder hergestellt werden? Es ist behauptet und beklagt worden, dass das Engagement der Frauen nur vom 8. September 1943 bis zum Kriegsende gedauert hat, dass sie dann von der öffentlichen Bühne verschwunden und wieder ins Private zurückgekehrt sind. Das stimmt nur zum Teil. Aus den Gruppi di difesa della donna (Frauenverteidigungsgruppen) entsteht zum Beispiel die Unione Donne Italiane (Union der italienischen Frauen), die versucht, das Selbstverständnis und das Leben der Italienerinnen zu modernisieren und zu verändern. In die zwei großen Volksparteien - die Democrazia Cristiana und die Kommunistische Partei - treten ehemalige Partisaninnen ein und bilden weibliche Sektionen. Aber die meisten Frauen kehren tatsächlich nach Hause zurück. Giuliana Gadola Beltrami, Präsidentin des Italienischen Partisanenverbandes ANPI, sagte Ende der 70 Jahre: "Die Familie ... hat sie (die Frauen) wie ein Riesenpolyp gefressen. Und niemand hat es bemerkt." Wie konnte das geschehen? Die Historikerin Franca Pieroni Bortolotti sieht die Wurzeln der allgemeinen Nichtbeachtung dieses Phänomens in der Frauenfeindlichkeit der patriarchalen Gesellschaft, deren Spuren auch in der Resistenza vorhanden waren. Man denke nur, dass in den meisten Partisanenrepubliken die Frauen kein Wahlrecht bekamen. Anna Bravo erzählt, dass die Näherinnen, die die Bekleidung der Garibaldi-Brigaden schneiderten, nach rigiden Anweisungen getrennt von Männern leben sollten und sich einmal in der Woche einer ärztlichen Untersuchung unterziehen mussten - aus der Befürchtung, dass die Partisanen aus moralischen Gründen in Verruf kommen könnten. Das Misstrauen gegenüber den Frauen war nicht nur in der Angst begründet, die Bevölkerung würde sie als sexuell leichtfertig abstempeln. Das geschah ohnehin und deswegen wurden viele Partisaninnen von ihren Kampfgenossen daran gehindert, bei Umzügen zur Feier der Befreiung mitzugehen. Wie so oft in der Geschichte sind die Frauen gern gesehen bei spontanen Aufständen: Wenn sie in den ersten Reihen - am besten mit ihren Kindern auf dem Arm - für Brot oder Freiheit demonstrieren, zählt man auf sie und hofft, dass ihretwegen der Schießbefehl unterbleibt - was nicht immer der Fall ist. Nach Ende der Revolte stört gerade diese urwüchsige Muttergestalt, deren Kraft und Leidenschaft die politische Eignung der Frauen in Frage stellt. Anna Bravo hat das mütterliche Verhalten der Partisaninnen zu Recht unterstrichen. Es soll nicht vergessen werden, dass der Partisanenkrieg nach dem Waffenstillstand vom 8. September mit der größten Verkleidungsaktion anfängt, die in der italienischen Geschichte bekannt ist. Die Soldaten aus der zusammengebrochenen italienischen Armee brauchten neue Kleidung, um nicht als Feinde nach Deutschland deportiert zu werden. Damals schneiderten Frauen in kürzester Zeit Hosen und Jacken aus alten Decken und Hemden. Die Soldaten bekamen am Bahnhof Adressen, wo sie ihre Uniformen gegen zivile Kleidung umtauschen konnten. Ihre Schuhe wurden gefärbt und später anderen gegeben. Jede italienische Frau, die im besetzten Teil des Landes gelebt hat, erinnert sich an diese Aktion. Eine offizielle Anerkennung für diese Leistung gibt es nicht: Sie wird in keinem Schulbuch erwähnt. Nur die von der provisorischen Regierung verabschiedete Erweiterung des Wahlrechts für Frauen erinnert an ihre Verdienste im Krieg. Es ist ein Dekret von Februar 1945, das fast unbemerkt bleibt. Nur ein Zeitungstitel äußert die Befürchtung: "Werden jetzt die Frauen gebieten?" (Daraus spricht die alte Befürchtung, wenn die Frau nicht mehr gehorchen muss, wird sie befehlen wollen ...) Aber keine Debatte über eine neue Rolle der Frau in der Politik entsteht. Gleichgültigkeit ist die allgemeine Reaktion. So verschwinden viele Frauen ins Namenlose, die, im Gegensatz zu den von der Faschistischen Republik einberufenen Männern, gar nicht gezwungen waren, sich für die Republik oder für den Untergrundkampf zu entscheiden. Ihre Wahl ist tatsächlich freiwillig. Dass man heute solche Überlegungen anstellt, ist nicht zuletzt das Verdienst von Frauen. Es waren diejenigen, die den Krieg und den Partisanenkampf selbst miterlebt hatten und die Erinnerung der Teilnehmerinnen zu Papier brachten - Bianca Guidetti Serra, Anna Maria Bruzzone, Rachele Farina, Franca Pieroni Bortolotti und Nuto Revelli (unter den Männern) sind die bekanntesten von ihnen. Liana Novelli-Glaab Literaturtipps: |


