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Verfolgung
Lageralltag in Fossoli
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Ehemalige Baracke im Lager Fossoli Oktober 2004Rechts: Modell des ehemaligen Durchgangslager Fossoli (Vergrößern: auf die Bilder klicken)
Lageralltag in FossoliOdoardo Focherini, Journalist aus Carpi, wurde in Fossoli inhaftiert. Er hatte 105 jüdischen Menschen zur Flucht in die Schweiz verholfen. In Fossoli konnte ihn seine Frau besuchen. Es gab dafür nach Aussage von Frau Focherini sogar eine eigene Besuchsbaracke. Diese Aussagen von ZeitzeugInnen und Überlebenden sind nahezu die einzige Möglichkeit, den Alltag in Fossoli zu rekonstruieren. Es gibt kaum Unterlagen über dieses Durchgangslager, da sie alle von den Nazi-Truppen bei ihrem Abzug vernichtet wurden.Auch konnten die Inhaftierten Briefe und Päckchen empfangen. Diese unterlagen zwar der Zensur, die aber nicht sehr streng gewesen sein muss. Vor allem Lebensmittel, aber auch Geld wurden geschickt, denn für Essen musste im Lager bezahlt werden. Die Baracken im jüdischen Block des Lagers waren in kleine Zimmer unterteilt, in denen die Familien zusammen leben konnten, um einen relativ normalen Alltag vorzutäuschen. Dies gelang nur bedingt, denn die Häftlinge mussten im Januar und Februar 1944 in Ermangelung von Feuerholz ihre Betten verheizen um nicht zu erfrieren. Die Menschen bekamen bei ihrer Einlieferung eine Nummer. Sie wurde nicht tätowiert, sondern musste auf einem Band um den Arm getragen werden. Sie sollte angeblich dazu dienen, den Verwaltungsaufwand für den Lohn zu vereinfachen, den die Häftlinge nach ihrer Deportation nach Deutschland für ihre dort zu leistende Arbeit bekommen sollten. Dies wurde den jüdischen Menschen auch als Grund für ihre Inhaftierung genannt. Mit dieser Lüge, den geschilderten Lagerbedingungen und der Tatsache, dass die meisten nur ein bis maximal zwei Monate im Lager verbrachten, wurden die Häftlinge ruhig gehalten und die Transporte in die Vernichtungslager gezielt verschleiert. Odoardo Focherini wurde nach Flossenbürg deportiert und starb im Außenlager Hersbruck an Blutvergiftung auf Grund einer unbehandelten Beinverletzung. Dieter Binz"Wir hätten uns alle selbst umgebracht"Die Venezianerin Amalia Navarro ist 27 Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern im Mai 1944 von den Deutschen in das Durchgangslager Fossoli bei Carpi deportiert wird. "Der Eindruck, den wir am Lagereingang erhielten, war entsetzlich. Schließlich hatten wir bis dahin noch nichts Schlimmeres gesehen. Aber nachdem wir nach einiger Zeit alte Bekannte wieder getroffen und mit den anderen Gefangenen neue Freundschaften geschlossen hatten, konnten wir uns dort etwas einleben. Nadja Bennewitz
Amalia Navarro: Siamo ancora vive! Mit einem Vorwort von Moni Ovadia, Edizioni Messaggero Padova 2002, ISBN 88-250-1032-X
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